Eiszeit im Obstgarten

Mitten in der Corona-Krise bereiten die Spätfröste den Bauern im steirischen Apfelland zusätzliche Sorgen. Die heurige Ernte ist gefährdet. Wir haben mit evelina-Bauer Bernhard Pfingstl über durchwachte Nächte gesprochen und erfahren, wie Eis die Apfelblüten wärmt.

Bernhard Pfingstl ist auf dem Weg zum Teich. Die Wasserleitungen müssen entleert werden, damit sie nicht einfrieren. In der kommenden Nacht werden noch einmal Minustemperaturen erwartet. Also wird der junge Obstbauer aus dem oststeirischen Vulkanland wieder einmal wach bleiben. Von 22 Uhr bis um halb neun. Wie in den Nächten zuvor. „Heuer mussten wir die Bäume schon viermal beregnen. Das gab’s noch nie“, erzählt er. „Vielen Kollegen geht schon das Wasser aus.“

2 Millionen Liter Wasser pro Nacht
Die Pfingstls haben Glück im Unglück. Denn schon der Großvater und der Vater haben den Hügel, auf dem die evelina-Bäume wachsen, vor Jahrzehnten drainagiert. Nach den schweren Frostschäden von 2016 hat die Familie dann am Fuße des Hügels einen Teich angelegt, in dem das Regenwasser gesammelt wird. 10 Millionen Liter fasst der Teich. Wasser für fünf Regennächte, denn für die Beregnung der 4 ha werden pro Nacht 2 Millionen Liter Wasser gebraucht. „In der Ebene schaut es schlecht aus, da haben wir keine Frostberegnung. Aber bei den evelinas sollte es klappen“, gibt sich der Obstbauer vorsichtig optimistisch. „Für einmal haben wir noch Wasser. Aber ich muss genau überlegen, wann ich die Beregnung einschalte, damit genug da ist. Es ist wie beim Kartenspielen. Wenn deine Trumpf‘ weg sind, sind sie weg.“

Eispanzer für die Apfelblüten
Pfingstl bereitet sich jedenfalls wieder auf eine Nacht im Obstgarten vor. Wenn die Temperatur auf ein Grad gesunken ist, schaltet er die Beregnungsanlage ein, damit ein feiner Sprühregen die Obstgärten befeuchtet. Die Temperatur sinkt weiter, das Wasser gefriert und hüllt Zweige und Blüten in einen Eispanzer. „Es funktioniert wie eine Heizung“, erklärt der Bauer. „Die Blüte wird von der Eishülle eingepackt und die Kristallisationswärme heizt die Blüten auf. Das reicht aber nur für wenige Minuten. Hört man zu früh mit der Beregnung auf, kühlt die Blüte ab.“

Bis minus 0,5 °C bilden sich in den Blüten nämlich noch keine Eiskristalle. Besprüht man die Pflanzen die ganze Nacht lang, gelangen die warmen Wassertropfen zur Pflanzenoberfläche und erzeugen immer wieder neue Energie, die die Pflanzen am Leben hält.

Erst wenn sich das Eis milchig verfärbt und zu schmelzen beginnt, darf man das Wasser abdrehen ohne den Blüten zu schaden.

Wir hoffen das Beste!